Die Schilddrüse – Wie sie Energie, Lebensfreude und Sexualverhalten steuert

von Aug 12, 2019Biohacking0 Kommentare

Die Schilddrüse ist ein kleines, aber feines Organ: Sie ist so groß wie eine Walnuss, hat aber einen großen Einfluss auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Sie bildet den Schnittpunkt zwischen unserer Umgebung, unserer Gesundheit und unserer Anpassungsfähigkeit an die Umwelt. Doch sie ist auch empfindlich und reagiert schnell auf ungünstige Bedingungen.

Wer weiß, was die Schilddrüse mag und was nicht, was sie kann (und was nicht), hat einen wertvollen Werkzeugkoffer für seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Erhalte hier einen Überblick.

Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag von Martin Auerswald. Martin ist studierter Biochemiker und befasst sich auf SchnellEinfachGesund über wissenschaftsbasierte und praktikable Gesundheitstipps, die jeder schnell und einfach in seinen Alltag einbauen kann.

Gesamt-Lesezeit: 5 Minuten

1) Die Schilddrüse – Ein Überblick

Etwa 10 Millionen Deutsche spüren jeden Tag, wie sich eine „kranke“ Schilddrüse anfühlt – sie leiden an einer Schilddrüsenunterfunktion, bei der die Schilddrüse weniger Hormone produziert, als sie sollte. Sie haben Probleme wie schlechter Schlaf, Energie- und Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme. Es sind die Menschen, die „einen Kuchen nur anzusehen brauchen, und nehmen schon zu“.

Dann gibt es die Menschen, die können kiloweise Kuchen essen, und das scheint einfach zu verpuffen. Die stehen früh energiegeladen auf, sind motiviert, fröhlich, schaffen, was sie sich vornehmen. Sind schlank und rank.

Das erste Szenario beschreibt eine Schilddrüse, die suboptimal arbeitet. Das zweite Szenario eine Schilddrüse, die genau das macht, was sie sollte. Hormone produzieren – ausreichend viele.

Beginnen wir langsam:

Die Schilddrüse ist etwa so groß wie eine Walnuss und sitzt unter dem Kehlkopf. Ähnlich wie ein Schmetterling umschließt sie die Luftröhre. Sie ist nur klein (ca. 20 ml Volumen), aber beeinflusst unser „Energielevel“ wie kaum ein anderes Organ.

Und weißt Du was? Die meisten Probleme mit einer suboptimalen Schilddrüse (Mit Ausnahme von Morbus Basedow und Hashimoto, das ist komplizierter) sind relativ einfach lösbar. Denn meist fehlt es der Schilddrüse an bestimmten Bausteinen, um richtig arbeiten zu können – oder sie hat zu viel Stress. 

2) Was macht die Schilddrüse?

Die Nebenschilddrüse produziert ein für die Knochen wichtiges Hormon namens Parathormon. Die Schilddrüse produziert mehrere Hormone, das wichtigste davon ist das fT4, auch bekannt als Thyroxin. L-Thyroxin in synthetischer Form nehmen Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion ein, um diesen Hormonmangel auszugleichen. Nicht immer ist das zielführend.

Die komplette Hormon-Achse der Schilddrüse sieht folgendermaßen aus (inklusive wichtiger Bausteine):

  1. Der Hypothalamus (im Gehirn) bildet das Hormon TRH.
  2. TRH stimuliert in der Hirnanhangdrüse die Bildung von TSH.
  3. TSH stimuliert die Schilddrüse, Schilddrüsenhormone zu bilden. Das ist fT4. Dazu braucht die Schilddrüse einige Nährstoffe (Tyrosin, Eisen, Selen, Vitamin B, Jod).
  4. T4 ist die Vorstufe des aktiven Schilddrüsenhormons fT3. Jedes Gewebe im Körper kann aus fT4 das fT3 machen, wenn es benötigt wird. Dazu wird Zink und Selen benötigt.

Die meisten Ärzte sehen sich nur TSH an und bewerten dann, ob die Schilddrüse gut arbeitet, oder nicht. Doch das wirklich wichtige Hormon ist fT3, das aktive Schilddrüsenhormon.

Der fT3-Spiegel sagt aus, ob sich jemand energiegeladen (fT3 > 3,5 pg/ml) oder chronisch müde (fT3 < 3 pg/ml) fühlt.

Ist der TSH-Wert zu hoch, muss die Schilddrüse zu sehr stimuliert werden, um fT4 zu produzieren. Dann gibt der Arzt L-Thyroxin, und das wars. Das ist aus 3 Gründen nicht ausreichend:

  1. Der Körper muss das Thyroxin erst noch zu fT3 „aktivieren“. Bei einem Mangel an Zink oder Selen bringt Thyroxin hier nichts.
  2. Die Ursache für die Schilddrüsenunterfunktion wird nicht behandelt, sondern nur der Hormonmangel ausgeglichen.
  3. Bei chronischem Stress oder Nahrungsintoleranzen deaktiviert der Körper das aktive fT3 in das inaktive rT3.

3) Wie sieht nachhaltige Schilddrüsengesundheit aus?

Wie kann eine Schilddrüsenunterfunktion (sofern keine Autoimmunerkrankung vorliegt) mit Ernährung und Lebensführung angegangen werden? Ist das möglich?

Ja, es ist möglich. Denn in den meisten Fällen liegt ein Nährstoffmangel oder eine Art von Stress vor, welche die Schilddrüse bei der Arbeit behindern. Werden diese Ursachen behoben, macht die Schilddrüse auch das, was sie soll.

Tatsächlich ist die Schilddrüse eine Art Spiegel der Gesundheit und des Stresslevels. Dazu gleich mehr.

Möglichkeiten, die Schilddrüse zu unterstützen:

  • Jod: Ohne Jod kein fT4. Dazu ist ein täglicher Verzehr von 500-1000 mcg Jod in Form von Fisch, Meeresfrüchten, Algen oder Kelp-Extrakt ausreichend. Das ist immer noch ein Vielfaches mehr als die paar mcg, die in jodiertem Speisesalz enthalten sind.
  • Selen: Findet sich in rotem Fleisch, Innereien, Fisch und Meeresfrüchten. Ich empfehle, mehrmals wöchentlich Fisch und Meeresfrüchte zu essen. Als Nahrungsergänzung ist eine Tagesdosis von 300-400 mcg anzustreben.
  • Tyrosin: Eine Aminosäure. Wer sich proteinreich ernährt (> 80g täglich), hat meist ausreichend Tyrosin.
  • Zink: Findet sich ähnlich wie Selen in rotem Fleisch und Meeresfrüchten. Der Tagesbedarf liegt bei etwa 30-40 mg. Zink ist zudem wichtig für ein starkes Immunsystem.
  • Vitamin B: B-Vitamine regulieren den Energiestoffwechsel und bauen zudem Nebenprodukte der Schilddrüse ab. Enthalten in rotem Fleisch und Eiern.
  • Eisen: Um Jod in der Schilddrüse zu binden und zu aktivieren, ist ein Enzym namens Thyreoperoxidase notwendig. Dabei werden geringste Mengen Wasserstoffperoxid (H2O2, oxidativer Stress) frei, die aber notwendig sind.
  • Gesunde und antioxidantenreiche Ernährung: Die Schilddrüse reagiert sensibel auf oxidativen Stress. Eine gesunde Ernährung mit wenigen Reizstoffen, aber vielen Antioxidantien ist wichtig, um hier vorzusorgen und die Schilddrüse vor Schäden zu schützen.
  • Stressreduktion: Bei Stress wird fT3 zu rT3 inaktiviert. Warum sie das macht, wird gleich geklärt. Ziel ist es hier, Stress (Cortisol, chronischer Stress) zu reduzieren. Das ist nicht nur wichtig für die Schilddrüse, sondern generell für die Gesundheit.

4) Stressreduktion (Geist und Seele) – Wege und Möglichkeiten?

Eine Auflistung von Wegen und Möglichkeiten, chronischen Stress zu vermeiden oder zu reduzieren. Die meisten Menschen weisen heutzutage mindestens einen dieser Faktoren auf:

  1. Gut und ausreichend schlafen
  2. Auf gute Schlafhygiene achten
  3. Keine Dauer-Diät betreiben
  4. Nicht zu viel und nicht zu wenig Sport treiben
  5. Negative Glaubenssätze beseitigen
  6. Zeit mit geliebten Freunden und Familie
  7. Zeit mit sogenannten Energie-Vampiren reduzieren
  8. Einem kreativen Hobby nachgehen
  9. Musik machen
  10. Meditieren
  11. Zeit in der Natur verbringen
  12. Lernen, nein sagen zu können. Besonders auf der Arbeit
  13. Sich den Feierabend nicht mit Terminen füllen. Platz für Zeit allein belassen
  14. Perfektionismus vermeiden
  15. Nachts das WLAN ausschalten und Handy nicht unters Kopfkissen legen
  16. Sich nicht wegen allem Sorgen machen

5) Die Schilddrüse ist der Spiegel unserer Lebensumstände?

Das aktive Schilddrüsenhormon hat einen großen Einfluss auf unsere Hormone. Nicht nur steuert es den Energieverbrauch, in dem es das mitochondriale Wachstum stimuliert. Es beeinflusst die Bildung weiterer Hormone, die mit Energie und Lebensfreude in Verbindung stehen.

Mit Dopamin und Testosteron bildet fT3 ein Dreieck

… sie beeinflussen sich gegenseitig bei der Bildung. Ein Mangel an fT3 kann daher weniger Dopamin und weniger Testosteron (bei Männern und Frauen) bedeuten. Eine aktive Schilddrüse erhöht so indirekt die Lust aufs Leben und auf Sex. Indirekt ist fT3 somit ein Sexualhormon.

Das macht Sinn, wenn man bedenkt, dass die Schilddrüse in „ungünstigen Zeiten“ weniger aktiv ist und fT3 sinkt. In diesen ungünstigen Zeiten (Nahrungsmangel, Stress, Krieg, Krankheit) möchte sich der Körper nicht fortpflanzen.

Stimmt hingegen alles (Gesundheit, genug Nährstoffe, Freunde/Partner, Lebensfreude, Frieden), bildet die Schilddrüse mehr fT3, was Dopamin und Testosteron erhöht. Und damit den Willen zur Fortpflanzung.

Das erklärt, warum die Schilddrüse so sensibel reagiert. Das erklärt, warum Schilddrüsenerkrankungen so häufig sind und Hashimoto mehrere Millionen Menschen in Deutschland betrifft.

6) Fazit

Ziemlich viel für so ein kleines, aber unscheinbares Organ, oder? So groß wie eine Walnuss – dennoch kann der energetische Unterschied zwischen einer suboptimalen und optimalen Schilddrüsengesundheit 500 kcal täglich bedeuten, also eine Tafel Schokolade. Indirekt ist es diese Energie, dieser „Drive“, dieser „Bock aufs Leben, den wir wollen. Die Schilddrüse kontrolliert nicht nur direkt fT3, sondern indirekt Sexual- und Glückshormone.

Wer die Schilddrüse versteht und sich nach ihr richtet, hat damit ein wertvolles Tool für seine Gesundheit und Lebensfreude in der Hand.

Der heutige Beitrag ist ein Überblick über die Schilddrüse, was sie macht, und was sie braucht. Mit diesem Wissen hast Du bereits einen großen Schritt Richtung gesunder Schilddrüse in der Hand.

Viel Erfolg bei der Umsetzung!

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