Neurohacking

Gehirndoping mit Nootropika

Wollen wir das nicht alle? Schneller lernen und Wissen gleich anwenden können? Uns alles merken was wir wollen und im richtigen Zeitpunkt auch abrufen können?

Das heutzutage populäre „neurohacking“ ist eine spezielle Form des „biohacking“, die das Ziel hat, durch die Anwendung bestimmter Techniken oder Wirkstoffe die Verbesserung kognitiver Fähigkeiten oder Eigenschaften zu erreichen. Besser bekannt ist es auch unter dem Synonym Gehirndoping. Jedenfalls boomt der Markt der dafür verwendeten Wirkstoffe, der sogenannten „Nootropika“ (engl. nootropics)“, ja regelrecht.

Doch wo genau wirken Nootropika eigentlich und was machen sie dort?

Auf diese Fragen und mehr möchte ich in folgendem Artikel eingehen.

1) Was bringen Nootropika überhaupt?

 

Für das Begriffsverständnis ist es notwendig zu unterscheiden, dass der Überbegriff „Nootropikum“ sowohl einige natürliche Nährstoffe und Pflanzenstoffe beinhalten als auch sogenannte „smart drugs„, also synthetisch hergestellte Pharmazeutika. Im weitesten Sinn bedeutet eine nootropische Wirkung einfach nur eine positive Wirkung auf die Hirnleistung, im engsten (pharmakologischen) Sinn eine Wirkung gegen Demenzerkrankungen (Antidementiva).

Wenn man sich die generelle Erwartung an Nootropika ansieht, sind diese je nach Wirkstoff sehr unterschiedlich. Die meisten davon zielen auf die Verbesserung des Gedächtnisses und der Auffassungsgabe ab und zwar durch die Neubildung von Nervenzellen (sog. „Neurogenese).

Andere wiederum sollen…

  • kognitive und mentale Gesundheit,
  • Konzentrationsfähigkeit,
  • Selbstvertrauen,
  • Kreativität,
  • Redegewandtheit,
  • Fokussierung,
  • Wahrnehmung,
  • und/oder die Intelligenz im Allgemeinen stärken oder
  • Ängste oder Depressionen lindern.

Einigen etwas spirituelleren Anhängern des Nootropika-Kultes zufolge soll der Menschheit durch die Anwendung dieser Stoffe sogar der nächste Schritt auf eine neue Bewusstseinsebene und das Erreichen einer neuen Wahrnehmungstiefe gelingen.

Sehr gut veranschaulicht wurde das Ziel von „neurohacking“ auch in den Filmen „The Matrix“ oder in „Limitless“. In „Limitless“ beispielsweise erlangt der Hauptdarsteller durch Einnahme von bestimmten Nootropika in kürzester Zeit ein solch umfangreiches Wissen, für dessen Aneignung andere Menschen durchschnittlich Jahrzehnte brauchen würden.

2) Die meisten von uns betreiben Neurohacking bereits

 

… und zwar jeden Morgen nach dem Aufstehen.

Man könnte sagen, Koffein ist die häufigste und gesellschaftlich anerkannteste Form von Neurohacking. Der Wirkstoff blockt bestimmte Rezeptoren in unserem Hirn (Adenosin-Rezeptoren), die uns ansonsten müde lassen würden. Durch diese Blockade können dann die anregenden Neurotransmitter Dopamin und Glutamat aktiver werden und wir fühlen uns wach und energetisiert. Gleichzeitig werden aber auch die Stresshormone Adrenalin und Cortisol freigesetzt, was wir vor allem dann merken, wenn wir zuviel Kaffee getrunken haben.

Der zweithäufigst angewandte „neurohack“ ist der Genuß von Alkohol. Aufgrund seiner Fettlöslichkeit wirkt sich Alkohol auf die Weiterleitung von Nervensignalen aus (… denn die fetthaltigen Zellmembrane sind für diese Weiterleitung zuständig). Alkohol hemmt die Neurotransmitter-Rezeptorfunktion von Glutamat, erhöht jedoch jene von GABA, Dopamin und Endorphine. Was diese Neurotransmitter sind, werden wir später noch erfahren. Wesentlich ist, dass du beim Alkoholkonsum aufgrund dieser chemischen Prozesse gelassener und lebendiger wirst.

Täglich angewandt werden aber auch einfache Maßnahmen, die keinen direkten Eingriff die Biochemie erfordern, die unser Hirn aber trotzdem leistungsfähiger machen. Dazu zählen unter anderem Sport und andere Formen der Stressreduzierung (regelmäßige Arbeitspausen, Atemübungen, jede Form der Bewegung). Auch eine gute Selbstorganisation wie das Führen von Listen und Unterteilen in wichtige und unwichtige Aufgaben erlauben es dem Hirn sich zu fokussieren und höhere Leistungen zu erbringen.

3) Grundlegendes zur Funktionsweise von Hirn und Neuronen

Gehen wir noch einen Schritt zurück: Es ist nämlich erst wirklich sinnvoll sich mit Nootropika auseinanderzu setzen, wenn man die grundlegende Funktionsweise des Hirns verstanden hat und über ausreichend „Bausteine“ für den Aufbau des Hirns verfügt.

Das Hirn ist einfach ausgedrückt eine Ansammlung von Nervenzellen (Neuronen) und wird hauptsächlich gesteuert durch elektrische Impulse und sogenannte Neurotransmitter. Es ist wichtig zu verstehen, dass Neuronen (also Nervenzellen) innerhalb der Zelle über elektrische Impulse und zwischen Nervenzelle und Nervenzelle (der Bereich um diesen Zwischenraum wird Synapse genannt) biochemisch mittels Neurotransmittern interagieren.

Dies läuft dann so ab: Neurotransmitter werden am Ende eines Neurons ausgeschüttet, überwinden die Synapse, docken beim Rezeptor der nächsten Nervenzelle an und werden dort wieder in ein elektrisches Signal umgewandelt.

Nebeninfo: Der Großteil des Hirns besteht nicht aus Neuronen, sondern aus sogenannten „Glia“-Zellen, die ein Stützgerüst für die Neuronen darstellen und darüber hinaus auch selbstständige Funktionen ausführen.

4) Neurohacking durch Aufbau von Nervenzellen

4.1.) Neuronen bestehen zum Großteil aus Fett

Die Membran von Zellen besteht aus einer Doppel-Lipid-Schicht (dh Fettschicht), die bei Nervenzellen einzigartig stark ausgeprägt ist. Für die Leistung des Hirns (und auch für die Wirkung von Nootropika) entscheidend ist daher ein ausreichendes Angebot an Bausteinen für den Aufbau des Gehirns. Nachdem das Hirn zu einem Großteil aus Fett besteht (60% Wasser, 40% Fett) wirkt sich ein Mangel an essentiellen Fettsäuren besonders schlecht darauf aus. Es kommt zu Neurodegeneration.

Nützliche Fette in dieser Hinsicht sind Omega 3-Fettsäuren (hier die essentielle Alpha-Linolensäure sowie die in Fischöl enthaltenen Omega 3-Fettsäuren EPA und DHA) sowie essentielle Omega 6-Fettsäuren (Linolsäure).

Hervorzuheben ist hier, dass du mit der Omega 3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure) quasi dein Hirn „baust“ und Neurogenese erst ermöglichst (3). Unter den Fettsäuren hat DHA sicher die stärksten positiven Wirkungen auf das Gehirn, indem es unter anderem auch ausgleichend wirkt auf den Neurotransmitterhaushalt (3, 5), Stress reduziert (4), neuroprotektiv wirkt (6, 7) und gegen altersbedingten Gedächtnisverlust (7).

Wichtig: Vor allem mehrfach ungesättige Fettsäuren wie Omega 3-Fettsäuren werden schnell ranzig und müssen daher mit ausreichend Antioxdationsmittel (Vitamin E) versehen werden. Achte daher besonders hier auf vertrauensvolle Hersteller. Vor allem bei empfindlichen Menschen kann Fischöl  Unverträglichkeitsreaktionen im Magen-Darm-Trakt (Sodbrennen, Aufstoßen) hervorrufen, weshalb in diesem Fall alternativ auf hochwertigeres Krillöl oder Algenöl umgestiegen werden sollte.

4.2.) Phospholipide Cholin und Inositol stabilisieren Zellmembrane

Phospholipide sind weitere Bestandteile der Zellmembran und ergänzen sich perfekt mit den zuvor erwähnten Fettsäuren. Zu den Phospholipieden gehören Cholin und Inositol, welche dafür sorgen, dass Zellen geschmeidig bleiben. Als Bestandteil von Zellmembranen, also der Doppel-Lipid-Schicht, kommen die beiden als Phosphatidylcholin und Phosphatidylinositol vor und bilden zusammen das bekannte Lecithin.

Wie bereits erwähnt sind die fetthaltigen Zellmembranen ja vor allem bei Neuronen stark ausgeprägt, weshalb Fett überaus wichtig für das Hirn ist. Cholin und Inositol spielen darüber hinaus auch im Fettstoffwechsel eine entscheidende Rolle, indem sie Fette flüssig halten, für deren Transport im Blutkreislauf zuständig sind und damit eine Verfettung der Leber verhindern. Teilweise werden sie deshalb auch in bestimmten Abnehmkuren angewendet. Inositol allein hat eine stark angstlösende und antidepressive Wirkung.

Cholin nimmt im Nervensystem insofern eine Sonderrolle ein, indem es auch den limitierenden Faktor (= je nachdem wieviel davon da ist, kann ein weiterer Stoff produziert werden) für Acetylcholin darstellt. Dazu unten mehr.

Omega 3-Fischöl:

5) Neurohacking durch Modulation von Neurotransmittern

5.1.) Serotonin steigert Glücksempfinden und verbessert Schlaf

Einer der bekanntesten Neurotransmitter ist Serotonin, welches als Vorstufe zu Melatonin den Schlaf reguliert und noch viele andere Aufgaben im Körper hat (zB Regulation des Blutdrucks, Glücksempfinden). Genau hier setzen auch die meisten Antidepressiva an, beim Serotoninstoffwechsel. Eine effektive Steigerung von Serotonin im Gehirn ermöglicht zum Beispiel seine direkte Vorstufe 5-HTP. Denn ohne erholsamen Schlaf ist an eine gute Hirnleistung nicht zu denken.

5.2.) Dopamin steigert Motivation und verbessert Gedächtnis

Für die meisten Biohacker oft interessanter ist der Neurotransmitter Dopamin. Dieser wirkt anregend, motivierend und erzeugt eine „lets do it“-Mentalität. Konzentrationsfähigkeit, Lösungsorientiertheit, Gedächtnisverbesserung und erleichtere Persönlichkeitsentwicklung werden mit Dopamin in Verbindung gebracht. Daneben ist es auch für die Durchblutung von Magen, Darm, Leber und Nieren mitverantwortlich. Als Baustoff für Dopamin wird die Aminosäure Tyrosin benötigt. Dieses ist sowohl die Ausgangsstufe für Dopamin als auch für Schilddrüsenhormone.

Weitere Kofaktoren für die Dopaminbildung sind Eisen, Folsäure, Vitamin C, Vitamin B6, Magnesium. Eine typische Dopaminmangel-Erkrankung ist beispielsweise Morbus Parkinson. Die Behandlung erfolgt typischer Weise mit L-Dopa, einer direkten Vorstufe von Dopamin (PSsst…  L-DOPA kommt auch in der Pflanze Mucuna Dopa in natürlicher Form vor, aber verrat’s keinem). Auch endogene Depressionen lassen sich auf einen Dopaminmangel zurückführen.

5.3.) Acetylcholin ermöglicht Lernen

Acetylcholin (ACh) ist einer der wichtigsten Neurotransmitter im zentralen Nervensystem und aktiviert als Botenstoff im vegetativen Nervensystem (Atmung, Blutdruck, Herzschlag, Verdauung und Stoffwechsel) den Parasympatikus. Im Parasympathikus ist es daher zuständig für …

  • Regeneration,
  • Erholung,
  • und Aufbau von körperlichen Reserven.

ACh ist jedenfalls entscheidend für die Lernfähigkeit, die neuronale Plastizität (Neuroplastizität) und das Gedächtnis. Die meisten Nootropika zielen deshalb primär auf die Steigerung des Cholins im Hirn ab. 

Für die Herstellung von Acetylcholin-Synthese stellt Cholin den Rate-Limiting-Faktor (=geschwindigkeitsbestimmender und limitierender Faktor der Synthese) dar. Cholin gehört zu den sogenannten Phospholipiden und ähnelt B-Vitaminen. Es wird natürlich über die Nahrung (z. B. Eigelb, viele Gemüsesorten) aufgenommen. B-Vitamine wie Niacin, Pantothensäure und Vitamin B12 fördern die Aufnahme von Cholin im Hirn. ACh wird durch das Enzym Cholinacetyltransferase aus Acetyl-CoA und Cholin zusammengesetzt.

Nachdem die nötigen Enzyme in den Zellen immer ausreichend vorhanden sind, kann man viele auf ACh-Mangel beruhende Krankheiten (Senilität) einfach durch Ernährungsumstellung lindern und durch zusätzliche Gabe von Cholin die Bildung von Acetylcholin fördern. Der Beginn einer Alzheimer-Erkrankung geht mit einem Mangel an der chemischen Substanz Acetylcholin einher. Gegen den Acetylcholin-Mangel werden in der Schulmedizin Acetylcholinesterase-Hemmer eingesetzt, die den Abbau von Acetylcholin hemmen.

Übrigens sind neben Acetylcholin auch Dopamin und Glutamat an der Gedächtnisbildung beteiligt.

 

5.4.) Wie kann man Acetylcholin im Hirn erhöhen?

Unter den frei am Markt erhältlichen Cholinformen sind vorzugsweise Alpha GPC und Cholin CDP zu nennen. Diese können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und sind deshalb bioverfügbar zur Bildung von Acetylcholin im Hirn. Sie wirken beide auch positiv auf den Stoffwechsel von Dopamin.

Nachdem Cholin in Form von Cholin-Bitartrat nicht hirngängig (=fähig zur Überwindung der Blut-Hirn-Schranke) ist, sondern lediglich zur Bildung von Zellmembranen verwendet werden kann, zählt es grundsätzlich nicht zu den Nootropika. Cholin-Bitartrat (und Cholin-Citrat hat einen Cholinanteil von 41% und erhöht die Betain-Konzentraion und Cholin-Konzentration im Körper. Es wirkt nur systemisch bzw. auf die Leber und nicht im Nervensystem (dh es wirkt nicht nootropisch)

Alpha GPC wird nach der Einnahme und während der Verdauung in freies Cholin und Glycerophosphat geteilt. Es hat einen Cholinanteil  von 40%. Auch das Phosopholipid Glycerophosphat unterstützt die Produktion von Zellmembranen, ist aber noch nicht gut erforscht. Es wirkt nootropisch, denn erwiesen ist, dass Alpha GPC sowohl die Cholinkonzentration im Körper und im zentralen Nervensystem erhöht sowie dort die Acetylcholin-Produktion anregt (8). Eine gute Studienlage besteht jedenfalls bei altersbedingtem geistigen Verfall (9).

CDP Cholin wird nach der Einnahme und während der Verdauung in freies Cholin und Citidin geteilt. Es hat einen Cholinanteil von 18,5%. Cytidin wird in der Folge in Uridin umgewandelt. CDP Cholin erhöht Cholinkonzentration im Nervensystem mehr als Cholin selbst (dh es wirkt nootropisch).

Cholin-Anteil je nach Cholinform:

  • Cholin-Bitartrat 41% 41%
  • Alpha GPC 40% 40%
  • Cholin CDP 18,5% 18,5%

6) Hirn- und Nervenwachstum fördern durch Nootropika

6.1.) Noopept ist das derzeit stärkte künstliche Nootropikum

Das derzeit stärkte Nootropikum ist „Noopept„, welches derzeit als das potenteste in der Gruppe der Racetame (Antidementiva) gilt und zumindest eine nachgewiesene Wirkung gegen Hirnschäden durch Alkoholkonsum hat. Genau für diesen Anwendungsbereich wurde es auch in Russland entwickelt.

Einige Studien weisen auch hin auf eine Verbesserung von …

  • Gedächtnisleistung,
  • Aufmerksamkeitsspanne,
  • Sorgenfreiheit,
  • Gemütszustand / Laune
  • und neuroprotektiven Eigenschaften.

Noopept und andere Racetame sind typische „smart drugs“, weil sie synthetisch hergestellt werden. Nootropika sollen ja vor allem Neurogenese betreiben, dh Hirnzellen neu bilden. Noopept tut genau das, indem es die Wachstumsfaktoren für Nervenzellen NGF und BDNF (2) erhöht. Von diesen beiden werden wir weiter unten noch lesen.

Noopept sticht insofern aus den anderen Racetamen hervor, als dass es nicht wie andere Racetame in einem sogenannten „Stack“ mit anderen neuritogenen Wirkstoffen zB Cholin eingenommen werden muss. Es ist für sich allein schon hochpotent und zwar 1000x potenter als sein Kollege Piracetam (1).

Weitere Antidementiva wäre zum Beispiel…

  • Phosphatidylserin: natürlich im Hirn vorkommendes Aminosäure-Abbauprodukt, welches Cortisol senkt  und vor geringfügig vor geistigem Verfall schützt (14) 
  • Huperzin A: einem natürlichen Acetylcholinesterase-Hemmer (15).

6.2.) Was ist „Neurogenese“?

Neurogenese kennen wir auch im Zusammenhang mit „Neuroplastizität„, also die Fähigkeit des Hirns neue Nervenzellen zu bilden und damit seine Zusammensetzung – lebenslang (!) – ändern zu können. Sie ist wissenschaftlich nachgewiesen und erlaubt insofern keine Ausreden mehr gegen lebenslanges Lernen. Das Hirn ist wahrlich ein Muskel, der auch im höheren Alter – auch wenn teilweise erschwert – noch trainiert werden kann.

6.3.) Wachstumsfaktoren BDNF und NGF

Je nachdem wie potent Nootropika zur Neurogenese in der Lage sind, erhöhen sie die „Neurogenese-Geschwindigkeiten“ bzw. Wachstumsfaktor BDNF (von eng.: „Brain-derived neurotrophic factor“; dt. etwa: „Vom Gehirn stammender neurotropher Faktor“ für den Hippokampus, dem Lernzentrum des Hirns) oder den Nervenwachstumsfaktoren (Nerve growth factor (NGF)), die beide eng miteinander verwandt sind. Anhand dieser beiden Faktoren lässt sich die Potenz eines Nootropikums messen.

6.4.) Neurohacking im weitesten Sinn

Andere Ansätze – als die Neurogenese im neurohacking – sind die Steigerung der Durchblutung des Gehirns (Arginin, Citrullin), eine effizientere Energieerzeugung (alle B-Vitamine!) der Nervenzellen oder ein verbessertes Angebot an Energiesubstraten (ketogene MCT-Fette wie Caprylsäure). Vor allem B-Vitamine sind hier hervorzuheben, da der Nervenstoffwechsel eng mit dem Energiestoffwechsel zusammenhängt.

7) Neurohacking durch Pflanzenstoffe

Ich möchte dir nun ein paar Pflanzen vorstellen, deren Extrakte eine positive Wirkung auf das Gehirn und kognitive Fähigkeiten haben:

  • Ginkgo biloba: verhindert deutlich geistigen Verfall (10) und wirkt blutverdünnend.
  • Bacopa monnieri: verbessert deutlich das Gedächtnis (11)
  • Mucuna Dopa (oder Mucuna pruriens): enthält L-Dopa (13), also die direkte Vorstufe von Dopamin
  • Rhodiola (Rosenwurz): wirkt gegen Stress bedingte geistige Leistungseinschränkung und Energielosigkeit (12)
  • Curcumin: Dieser Wirkstoff aus der Curcumapflanze (Gelbwurz) liefert indirekt Baustoffe für das Hirn (und die Leber) durch Stimulation der DHA-Bildung (16). DHA ist die wichtigste Fettsäure des Gehirns. Weiters senkt Curcuma deutlich auch Depression und erhöht deutlich die Bildung von Stickoxid. Curcumin ist schlecht wasserlöslich und wird daher für eine bessere Bioverfügbarkeit regelmäßig mit schwarzem Pfeffer kombiniert.

8) Neurohacking: Und was ist mit Hormonen?

 

Hormone wirken teilweise direkt und auch indirekt auf das Hirn. Beispielsweise hat Cortisol, das bei Stress ausgeschüttet wird, einen hemmenden Effekt auf den Hippokampus, der Hirnregion, die fürs Lernen zuständig ist. Deshalb haben wir auch einen blackout, wenn wir Angst haben in einer Prüfungssituation. Eine gute Möglichkeit um Cortisol (=Stess) zu senken und trotzdem angeregt zu sein, ist die Pflanze Rosenwurz (Rhodiola rosea).

Es geht aber noch einfacher: Stehen wir aufrecht und nehmen viel Raum ein, wirkt das Hormon Testosteron erhöhend auf unser Selbstbewusstsein und die Motivation. Dies stellt eine Sofortmaßnahme dar, denn Testosteron ist ein direkter Gegenspieler von Cortisol. Biohacking auf Ebene der Körpersprache quasi. Testosteron braucht für seine Bildung jedenfalls Vitamin A, Vitamin D und Zink.

9) Oft übersehen: Das Bauchhirn

 

Ich kann dir sagen, dass du noch so viele Nootropika in dich reinwerfen kannst, wenn etwas mit deiner Verdauung nicht stimmt. Nicht nur bei einer Dysbiose (wo der Histaminstoffwechsel durcheinander gebracht wird) oder wegen der verschlechterten Nährstoffaufnahme. Nein, es geht um das zweitgrößte Nervengeflecht in deinem Körper.

Das enterische Nervensystem (ENS) ist das zweitgrößte nach dem zentralen Nervensystem (ZNS). Die beiden stehen immer miteinander in Kontakt und leiden, wenn der andere auch leidet. Kümmere dich also bitte um deine Verdauung bevor du an deinem Hirn herumdoktorst.

Eine interessante Nebeninfo: 95% des Gesamt-Serotonins im Körper wird im Darm gebildet (auch wenn jenes die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann) und 50 % des Gesamt-Dopamins. Das soll dir nur verdeutlichten, wie sehr diese beiden Organe miteinander zusammenhängen. Auf die Verbindung der Bauch-Hirn-Achse zielt auch die Forschung der sog. „Psychobiotika„, also probiotische Darmbakterien, mit denen die Darmflora und deren Stoffwechselprodukte positiv fürs Hirn gesteuert werden soll.

10) Neurotoxine: Warum du nicht viele davon in dir haben willst…

10.1.) Histamin und Glutamat

Wie wir bereits gehört haben, ist Histamin als Neurotransmitter mitverantwortlich für unsere Lernfähigkeit, aber ein Zuviel davon führt zu Übererregtheit, Unruhe und Verdauungsbeschwerden. Histaminbedingte Symptome auf auf die Psyche können sowohl bei einem Überschuss als auch bei einem Mangel vorliegen (Stichworte: Histadelie und Histapenie).

Genauso verhält es sich mit dem anregenden Neurotranmitter Glutamat. Von dieser Aminosäure hast du sicher in der Vergangenheit schon mal in Zusammenhang mit Geschmacksverstärkern (Mononatriumglutamat, Hefeextrakt) in den Medien gehört und weißt vielleicht auch, dass ein Zuviel an Glutamat sogar neurotoxisch wirkt, dh schädigend auf Nervenzellen. Die Verträglichkeit von Glutamat in Nahrungsmitteln ist von Mensch und Mensch jedenfalls unterschiedlich, schließlich kommt Glutamat im menschlichen Stoffwechsel als anregender Neurotransmitter auch ganz natürlich vor. Vielmehr noch: Ohne Glutamat wären Menschen blind, taub und geschmacklos. Antagonistisch (=umgekehrt) zu Glutamat wirken hingegen GABA, Glycin und Taurin. Diese Neurotransmitter sorgen für Ruhe und Gelassenheit. 

 

10.2.) Ammoniak entsteht bei der Proteinverdauung

Wo wir gerade bei Neurotoxinen waren? Ammoniak ist auch ein solches Neurotoxin. Es ist ein stark basischer Abbaustoff von stickstoffhaltigen Aminosäuren (Glutamin), wird im Darm bei der Verdauung vermehrt gebildet (Fäulnisdysbiosen sind basisch!) und wird höchstprioritär im Harnstoffzyklus der Leber entgiftet. Weil ein Zuviel an Ammoniak auch das Hirn schädigen kann, besteht hier eine besondere Verbindung zwischen Darm und Gehirn.

Vielleicht ist dir das schon mal aufgefallen, wenn du sehr viel Fleisch auf einmal gegessen hast. Als Gedankennebel oder „brain fog“ werden solche Zustände beschrieben. Ein gesunder Mensch ist jedoch in der Lage eine solche Belastung zu kompensieren. In krankhafter Form wird eine solche Vergiftung auch hepatische Enzephalopathie genannt, also wenn die Leber zu dieser Entgiftung nicht mehr in der Lage ist.

 

10.3.) Mangan baut Ammoniak und Glutamat ab

Bemerkenswerterweise hat der Körper einen Entgiftungsapparat eingebaut, der sogar beiden vorherig genannten Neurotoxine entgiftet, indem er sie miteinander verbindet! Dafür sorgt das Enzym Glutamat-Ammonium-Ligase, ein manganhaltiges Enzym. Kurzum: Die erhöhte Belastung mit Ammoniak ist mit ein Grund, weshalb ein zuviel an Eiweiß in der Ernährung – vor allem in tierischen Eiweißen – als nicht gesund angesehen wird.

Wenn du mehr darüber wissen willst, wie sich Neurotoxine auf den Schlaf auswirken (insb. das Verhältnis von Glutamat zu GABA und  Ammoniak), siehe hier.

10.4.) Fazit

Es ist möglich, die eigene Hirnleistung bedeutend zu verbessern und mit Nootropika Neurohacking zu betreiben. Allerdings darf man eines nicht vergessen: Neurotoxine wirken sich sehr negativ auf den Schlaf und in weiterer Folge auch auf die Kognition aus. Denn schlechter Schlaf ist gleichbedeutend mit einer schlechten Regeneration des Hirns. Es macht daher erst dann Sinn, die eigene Hirnleistung durch Neurhacking verbessern zu wollen, wenn der Schlaf in Ordnung ist und – wie bereits erwähnt – die Bildung von Neurotoxinen (zB durch Dysbiosen; Stichwort: Bauchhirn) eingedämmt wird.

 

Handle selbstverantwortlich mit den Informationen dieser Seite.

Ich hoffe, dir hat das Lesen Spaß gemacht.

Daniel.

PS.: Für den Start ins Neurohacking empfehle ich das Nootropikum Alpha GPC, die am besten bioverfügbare Form von Cholin:

Referenzen

Referenzen:

(1)  Vorobyov V, et al (2011). Effects of nootropics on the EEG in conscious rats and their modification by glutamatergic inhibitors. Brain Res Bull, 85(3-4):123-32. doi: 10.1016/j.brainresbull.2011.02.011

(2) Ostrovskaya RU et al (2008). Noopept stimulates the expression of NGF and BDNF in rat hippocampus. Bull Exp Biol Med, 146(3):334-7. doi: 10.1007/s10517-008-0297

(3) Lauritzen L, et al (2001). The essentiality of long chain n-3 fatty acids in relation to development and function of the brain and retina. Prog Lipid Res, 40(1-2):1-94. doi: 10.1016/S0163-7827(00)00017-5

(4) Jiang LH, et al (2012). Pure docosahexaenoic acid can improve depression behaviors and affect HPA axis in mice. Eur Rev Med Pharmacol Sci, 16(13):1765-73. PMID: 23208960

(5) Spector AA (1999). Essentiality of fatty acids. Lipids, 34 Suppl:S1-3. doi: 10.1007/BF02562220

(6) North JA, et al (1994). Cell fatty acid composition affects free radical formation during lipid peroxidation. Am J Physiol, 267(1 Pt 1):C177-88. PMID: 8048478

(7) Bazan NG, et al (2011). Docosahexaenoic acid signalolipidomics in nutrition: significance in aging, neuroinflammation, macular degeneration, Alzheimer’s, and other neurodegenerative diseases. Annu Rev Nutr, 31:321-51. doi: 10.1146/annurev.nutr.012809.104635

(8) Gatti G, et al (1992). A comparative study of free plasma choline levels following intramuscular administration of L-alpha-glycerylphosphorylcholine and citicoline in normal volunteers. Int J Clin Pharmacol Ther Toxicol, 30(9):331-5. PMID: 1428296

(9) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12637119 

(10) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22959217

(11) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12093601

(12) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11081987 

(13) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10930594 

(14) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21103034

(15) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12445575 

(16) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25550171 

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