Ernährungsstatus: Wie gut bin ich mit Nährstoffen versorgt?

Hast du den Verdacht, dass deine Gesundheit wegen einem Nährstoffmangel einschränkt sein könnte? Möchtest du dich diesbezüglich mal richtig „durchchecken“ lassen?

Auch wenn es heutzutage viele gute Laboruntersuchungen gibt, um sich einen Überblick über den eigenen Nährstoffstatus zu verschaffen, sind diese meist nicht Teil der ärztlichen Routine.

Das liegt einerseits daran, dass diese Untersuchungen großteils keine Kassenleistung darstellen, und andererseits daran, dass im Medizinstudium Nährstoffe keine große Rolle spielen. Letztlich bleibt es daher oft dem Betroffenen selbst überlassen, Mängel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen aufzudecken oder einen versierten Therapeuten zu finden.

In diesem Artikel erfährst du mehr dazu, wie du deinen Ernährungsstatus umfassend testen lassen kannst und welche Tests grundsätzlich sinnvoll sind.

1) Grundsatz: Nährstoffe austesten lassen

Vor allem die Anwendung hochdosierter Nährstoffpräparate sollte auf einer diagnostisch fundierten Laboranalyse aufbauen! Dies deshalb, weil man sich hier bereits im Bereich der Nährstofftherapie befindet, also außerhalb der täglich empfohlenen Nährstoffzufuhr über die Nahrung.

Daneben sind Laboruntersuchungen sind gleichzeitig auch insgesamt die zeitsparendste, sicherste und effizienteste Methode, um den eigenen Ernährungsstatus feststellen zu lassen und einen wichtigen Einblick in den eigenen Gesundheitszustand zu erlangen.

Durch Laboruntersuchungen erspart man sich nicht nur Geld für Nahrungsergänzungsmittel, sondern man tut der Gesundheit auch etwas Gutes, indem man auf Nahrungsergänzung verzichtet, die man individuell gar nicht braucht. 

Wer seine Gesundheit langfristig noch besser im Auge behalten will, der kombiniert einschlägige Laboruntersuchungen zusätzlich mit einem Ernährungstagebuch.

2) Sinnvolle Blutuntersuchungen

2.1.) Vollblutuntersuchung

 

Die Vollblutuntersuchung unterscheidet sich von einer „normalen“ Untersuchung des Blutserums dadurch, dass hier ein guter Rückschluss auf die Nährstoffversorgung innerhalb der Zellen mit Mineralien (Natrium, Kalium, Phosphor, Calcium, Magnesium, Zink, Kupfer, Selen, etc.) über einen länger zurückliegenden Zeitraum gezogen werden kann (einen noch längeren Zeitraum soll nur die Haarmineralanalyse bieten).

Bei einer standardmäßigen Untersuchung des Blutserums werden hingegen Blutzellen (Erythrozyten, Thrombozyten und Leukozyten) herausgefiltert, weshalb keine Rückschlüsse zum  Nährstoff-Versorgungszustand innerhalb von Zelle gezogen werden können.

Eine Vollblutuntersuchung ist keine Kassenleistung und muss daher privat bezahlt werden.

Leider lassen sich manche isolierte Nährstoffe (zB Ultraspurenelemente wie Lithium, Bor und Vanadium) noch nicht im Blut feststellen.

2.2.) Aminogramm

 

Ein Aminogramm des Bluts zeigt, wie gut der Körper mit einzelnen Aminosäuren versorgt ist. Erhöhte oder erniedrigte Werte zeigen an, ob es Stoffwechselblockaden gibt. Die Darstellung der Aminosäuren im Blut gilt in der Fachwelt auch als repräsentativ für den Versorgungsstatus innerhalb der Zellen.

Beispielsweise können abweichende Werte von der Aminosäure Tryptophan auf Störungen des Serotonin-Stoffwechsel hindeuten und abweichende Werte von Tyrosin auf eine Störung des Dopamin-Stoffwechsels und dem der Schilddrüsenhormone. Erhöhte Werte von Glutamat deuten hingegen auf eine erhöhte Neurotoxitizität hin oder auf katabole Zustände. Und so weiter…

Außerdem kann ein Mangel an Aminosäuren generell auf einen Magensäuremangel hindeuten.

Insgesamt ist ein Aminogramm ist daher ein sehr guter Ansatz, Stoffwechselstörungen zu erkennen.

Auch ein Aminogramm ist keine Kassenleistung.

 

2.3.) Vitamin D

 

Die Untersuchung von Vitamin D im Blut hat deshalb eine besondere Stellung, weil es repräsentativ für die Speicherbarkeit auch anderer fettlöslicher Vitaminen  (Vitamin A, E, K) in der Leber ist.

Außerdem liefert der Vitamin D-Wert im Blut Hinweise auf eine ordnungsgemäße Verarbeitung von Cholesterin, aus dem auch Vitamin D vom Körper selbst produziert wird. Vitamin D ist im Grunde genommen nämlich kein Vitamin sondern ein Steroidhormon, wie auch Testosteron und Cortisol.

Nachdem Vitamin D zudem ein typischer Mangelnährstoff der zivilisierten Kultur ist, ist es sinnvoll diesen Wert im Auge zu behalten.

Die Messung von Vitamin D im Blut ist sogar eine Kassenleistung.

 

2.4.) Vitamin B12

 

Ein typischer Mangelnährstoff von Vegetariern ist Vitamin B12, nachdem es fast ausschließlich in Fleisch vorkommt. Nachdem Vitamin B12-Mängel langfristig sehr schwere und irreversible Folgen (insbesondere für das Nervensystem und das Rückenmark) haben kann, sollte auch dieser Wert (von jedem) überwacht werden.

Die treffsichersten Untersuchungen von Vitamin B12 sind Holotranscobalamin im Blut und indirekt die Methylmalonsäure im Urin (siehe auch unten zu organische Säuren im Urin).

 

2.5.) Hormone, Speicherproteine und Enzymaktivität

 

Hormone sind wichtige Signalmoleküle im Körper. Zu den wichtigsten gehören Insulin, Testosteron und Cortisol. Insulin und Testosteron sind anabole Hormone, was bedeutet, dass sie für den Aufbau von Körperzellen und deren Nährstoffversorung verantwortlich sind. Während Insulin und Testosteron im Blut nachweisbar sind, kann Cortisol aussagekräftig nur im Speichel gemessen werden.

Um einem Mangel eines bestimmten Spurenelements nachzugehen, bietet sich auch an, die Transportproteine oder sogar die Enzymaktivität eines Enzyms testen zu lassen.

Speicher- bzw. Transportproteine sind zum Beispiel Ferritin für Eisen oder Coeruloplasmin für Kupfer. Diese Tests sind meist sehr gute und spezifische Indikatoren für die Spurenelement-Verwertung und -Verfügbarkeit. 

Ein Test auf Enzymaktivität geht schon sehr in die Tiefe und sollte erst bei einem konkreten Verdacht durchgeführt werden.

 

3) Sinnvolle Stuhluntersuchungen

Eine Stuhluntersuchung erlaubt Rückschlüsse auf die Verdauung und Resorption von Nährstoffen durch die Nahrung. Vor allem bei lang andauernden Verdauungsproblemen können Stuhluntersuchungen sehr hilfreich sein.

3.1.) Verdauungsrückstände im Stuhl

 

Verdauungsrückstände im Stuhl weisen darauf hin, dass etwas bei der Verdauung von Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Fett, Eiweiß) nicht stimmt.

Zum Beispiel kommt es bei einem Magensäuremangel zu einer eingeschränkten Eiweißverdauung und damit oft zu erhöhtem Eiweiß im Stuhl.

Fehlt es an Gallensäure ist die Fettverdauung beeinträchtigt und es wird damit zu viel Fett ausgeschieden. Gemessen werden auch Stärke, Zucker, Wasser und teilweise Stickstoff.

ine Messung der Verdauungsreste im Stuhl ist grundsätzlich keine Kassenleistung.

 

3.2.) Untersuchung der Darmflora

 

Die Darmflorauntersuchung im Stuhl gibt Auskunft darüber, welche Bakterien oder andere Keime den Darm besiedeln.

„Gute“ Darmbakterien wie Lakto- und Bifidobakterien haben große Bedeutung für die Nährstoffaufnahme, das Immunsystem, die Abwehr gegen Krankheitskeime und bilden teilweise sogar selbst Nährstoffe (Vitamin B, Vitamin K, kurzkettige Fettsäuren).

Pathogene (=krankmachende) Keime, zB Fäulniskeime oder Pilzen (Candida), hingegen können die Nährstoffaufnahme verschlechtern, die Darmschleimhaut entzünden bzw. schädigen und dem betroffenen Patienten bestimmte Nährstoffe streitig (zB Zucker, Eiweiße, B-Vitamine) machen.

Eine Stuhluntersuchung ist grundsätzlich keine Kassenleistung.

 Achtung: Befunde zu Verdauungsresten müssen immer in Zusammenschau mit der Darmflorazusammensetzung (Stichwort: Dysbiose) interpretiert werden. 

 

4) Sinnvolle Urinuntersuchungen 

4.1.) Organische Säuren im Urin

 

Um einen sehr guten Überblick über und tiefen Einblick in die eigene Körperbiochemie zu erlangen, ist es sehr empfehlenswert den Urin auf sogenannte „organische Säuren“ zu untersuchen.

Organische Säuren sind Abbauprodukte wichtiger Stoffwechselprozesse wie jenen der

  • Energiegewinnung (Citratzyklus; Stichwort: Chronisches Erschöpfungssyndrom),
  • der Neurotransmitterbalance (Dopamin, Serotonin; Stichwort: Depressionen, Schlafstörungen)
  • und liefert Hinweise auf den Vitaminstatus,
  • zum Stoffwechsel von Fett und Kohlenhydraten,
  • zum Methylierungsstatus
  • und zum Darmflorastatus (Stichwort: Dysbiose).

Der große Vorteil dieser sehr einfachen Untersuchung gegenüber Blutuntersuchungen ist auch, dass damit nicht nur indirekt die Nährstoffversorgung des Bluts, sondern indirekt auch andere Körperflüssigkeiten untersucht werden können. So können auch Abbauprodukte der Hirnflüssigkeit (Liquor) im Rückenmark, indirekt untersucht werden.

Besonders hervorzuheben ist weiters, dass mit den organischen Säuren im Urin auch der Stoffwechsel wasserlöslicher Vitamine (Vitamin B) indirekt getestet werden kann. Andere Untersuchungen wasserlöslicher Vitamine sind wegen der schnellen Verwertung dieser Vitamine meist nicht aussagekräftig (zB im Blut).

Wäre ich persönlich mit meinem Latein am Ende, würde ich mit der Urinuntersuchung auf organische Säuren  beginnen.

 

5) Sinnvolle Speicheluntersuchung

5.1.) Cortisol

 

Zwar nicht direkt die Versorgung mit Nährstoffen betreffend, aber Rückschlüsse auf einen erhöhten Nährstoffbedarf wegen Stress, ermöglicht eine Speicheluntersuchung bei Verdacht auf ein chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS) mit entsprechendem Cortisolmangel.

Cortisol ist Stress- aber vor allem auch Wachheitshormon, welches vermehrt Nährstoffe im Körper verbraucht. Außerdem ist Cortisol auch ein Gegenspieler wichtiger Hormone wie Testosteron und Insulin. Ein ausgeglichener Hormonhaushalt ist deshalb ein weiterer Grund, weshalb der Cortisolspiegel langfristig nicht zu hoch sein sollte.

Bei dieser Untersuchung wird Speichel 4 mal über den Tag verteilt mit einem Wattestäbchen entnommen und auf dessen Cortisolgehalt untersucht. Dies deshalb, weil der Cortisolspiegel über den Tagesverlauf schwankt. Am Beginn des Tages sollte es hoch sein, am Ende des Tages niedrig . Dies entspricht dem sogenannten „circadianen Biorhythmus“.

 

Ich hoffe, ich konnte dir einen guten Einblick geben.

 Alles Gute.

 Daniel.

 

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